Kraft oder Gewalt? Die Kraft der Zerstörung als Schlüssel zu innerem Frieden

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Kraft oder Gewalt? Die Kraft der Zerstörung als Schlüssel zu innerem Frieden

The true strength is always peaceful.” Mirra Alfassa (The mother)
Übersetzung: Die wahre Kraft ist stets friedlich. (Übersetzung von “strength” nach dem Cambridge Dictionary).

Als ich vor einigen Monaten dieses Zitat las, wurde mir offenbar, dass es in mir eine Verwechslung gibt von Kraft und Gewalt, eine Form der Zerstörungslust, die sich kraftvoll anfühlt, die jedoch in ihrer Essenz nicht friedlich ist, sondern – eher im Gegenteil – meinen inneren Frieden stört. Wie unterscheidet sie sich also von der wahren Kraft der Zerstörung? Diese Frage hat mich dazu bewogen den folgenden Artikel zu verfassen, der eine Zusammenstellung von Zitaten meines Lehrers OM C. Parkin enthält. Am Ende durfte ich mich davon überraschen lassen, dass die wahre Kraft der Zerstörung ein Tor zu innerem Frieden ist.

OM schreibt in seinem Lehrbuch Intelligenz des Erwachens: “[…] [Es gibt] drei grundlegende Kräfte […], welche an der Manifestation beteiligt sind: 1. eine gebärende, schöpferische Kraft, 2. eine bewahrende, wegweisende, oder auch vermittelnde Kraft, sowie 3. eine zerstörerische oder auch auflösende Kraft.1 Was passiert, wenn sich eine Gegen-Kraft, die sich “Ich” nennt, eine dieser universellen Kräfte zu eigen macht? In der Erforschung meiner geistigen Strukturen bin ich immer wieder mit Formen der Gewalt konfrontiert, die sich zunächst ins Außen gegen andere Menschen und Dinge in der Welt richtet, bei einer tieferen Betrachtung vor allem aber auch ins Innen gegen mich selbst. Diese fortwährend praktizierte Selbst-Zerstörung bezieht ihre Energie aus diesen drei Kraftströmen und stört somit deren natürlichen und unpersönlichen Fluss.

Zunächst sollte die Gewalt als eine Form des Missbrauchs von Kraft begrifflich von einer natürlichen Gewalt (göttlichen Gewalt) getrennt werden. Entsprechend der Definition in OMs Buch Zorn – Der Kampf gegen die Wirklichkeit ist göttliche Gewalt “das Walten Gottes (Shakti), reine Kraft, eins mit Liebe, niemals aber gewaltsam oder gewalttätig. Letzteres ist Ausdruck und damit Kennzeichen des Ego-Zorns, des Missbrauchs der angemaßten göttlichen Zerstörungskraft durch ein Ich, was die Liebe ausschließt.2

Wenn niemand die Kraft an sich reißen würde, wenn die Menschen in diesem subtilen, inneren Zustand leben würden, in dem das möglich ist, dann gäbe es nur noch Kraft, aber keine Gewalt mehr.3

Wie wird aus Kraft Gewalt?

Jede Gewalt geht ursprünglich von der Identifikation eines Menschen mit dem Gedanken „Ich“ aus. […] Es gibt viele Beschreibungen dieses einen Momentes, in dem sich ein ‘Ich’ abtrennt, das nicht mehr eins ist mit der Welt, mit dem Leben, mit dem Sein […].4 Diese Abtrennung bringt auch eine Abtrennung von der göttlichen Zerstörungskraft und ihrer dunklen Anteile mit sich, was bedeutet, dass “erstens, […] nicht zerstört werden kann, was zerstört werden muss, dass du nicht verlieren kannst, was verloren werden muss um frei zu sein und zweitens, dass sie Kanäle nimmt, nennen wir sie Nebenarme des Quellenstromes, welche sie verunreinigen. Und diese Unsauberkeit im Fließen dieser Kraft nach innen oder nach außen, das nennen wir dann Gewalt.3

Wenn Gewalt bereits mit dem Gedanken „Ich“ beginnt, dann müssen wir davon ausgehen, dass jeder Mensch eine Form von Gewalt gegen sich selbst ausübt. “Es ist naiv zu glauben, dass Gewalt und Krieg dort entstehen, wo sie nach außen treten und sichtbar werden.4

Der wahre Weg der Kraft: ein Wandlungsprozess

Im folgenden Zitat beschreibt OM die zerstörerische Kraft als Aggression, die per se aber nicht gewalttätig ist, sondern erst durch den denkenden Geist für Gewalt missbraucht wird: “Wenn die geistigen Kräfte eines Menschen, die friedvollen und die kriegerischen, in ihrer natürlichen Balance sind, dann wird die im Menschen vorhandene Aggression niemals in destruktive Gewalt ausarten. Aggression ist eine natürliche Kraft – es gibt kein einziges fühlendes Wesen auf der Welt, das sie nicht besitzt. Sie ist immer dann konstruktiv und schöpferisch, wenn sie nicht getrennt ist vom liebenden Wesen des Menschen.4

“DIE VERBORGENE KRAFT
Der im Lebenskampf Erfahrene weiß:
Besser ist, besinnlich nachzugeben, als unbesonnen herauszufordern.
Besser ist, einen Fuß zurückzuweichen, als einen Schritt vorzustoßen.

Dies ist:
Vorwärtsgehen, ohne vorzugehen.
Einnehmen, ohne zu nehmen.
Halten, ohne zu behalten.
Siegen, ohne zu besiegen.

Wo zwei aufeinandertreffen, obsiegt der Besonnenere, wie das Wasser, das die verborgene Kraft walten läßt und die rohe Gewalt überwältigt.” Lao Tse (Tao Te King)5


Damit die zerstörerische Kraft ihrer wahren Bestimmung nachkommen kann, muss sie in das fühlende Wesen des Menschen integriert werden. “In Frieden zu sein ist immer die Folge von innerer Integration und niemals von Ausschluss.4[…] Wenn du aufhörst, gegen dich und gegen die Welt zu kämpfen – dann stellst du dich zum ersten Mal dem Wesentlichen. Das ist dein Einblick in die Wirklichkeit. Und dann siehst du: Ich bin auch all das, was ich niemals sein wollte. Ich bin der Krieg, ich bin der Terror, die Gewalt, die Folter. Es ist alles hier. In mir. Und wenn ich anerkenne, dass ich all das bin, was ich niemals sein wollte, und wenn ich es dorthin zurücknehme, von wo es erschienen ist, wenn es zurückgekehrt ist – ja, dann geschieht das Erstaunliche. Dann geschieht das Unerwartete. Dann nämlich ist Frieden. […] Wenn du der Seele dienst, anstatt gegen sie Krieg zu führen, so wie du es bisher getan hast, dann bringst du es auch zu etwas, du bringst es nämlich zu dem, zu dem die Seele bestimmt ist. Dann bist du im Frieden Gottes.6

Quellenverzeichnis

1OM C. Parkin (2010): Intelligenz des Erwachens, 1. Aufl., S. 170.

2OM C. Parkin (2020): Zorn – Der Kampf gegen die Wirklichkeit, Dialog „Die Kraft an sich reißen“, 1. Aufl., Anmerkungen, S.183.

3OM C. Parkin (2020): Zorn – Der Kampf gegen die Wirklichkeit, Dialog „Die Kraft an sich reißen“, 1. Aufl., S. 73-75.

4OM C. Parkin im Interview mit dem freien Journalisten Michael Gleich 2004, https://www.om-c-parkin.de/de/mediathek/artikel/der-aeussere-frieden-folgt-dem-inneren.

5Manfred Ullmer und Hartmut Waldenfels (1992): Weg zur Kraft: Lao Tse (Tao Te King), Mit Zeichnungen des Meisters Ho Li, Drei Eichen Verlag, München, S. 90.

6OM C. Parkin in dem online Artikel “Warum gibt es Krieg?”, https://www.om-c-parkin.de/de/mediathek/artikel/warum-gibt-es-krieg.


Weiterführende Literatur:


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