Chi-Praxis

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Chi-Praxis

Ich stehe. Meine Füße verwurzelt im Boden. Knie leicht gebeugt, Becken nach vorne, aufrecht, Kinn zurück, der Kopf wie an einem Faden aufgehängt. Die Arme locker in einem Kreis nach vorne, die Finger zeigen zueinander. Ich atme tief in den Unterbauch. Ich stehe 15 Minuten.

Warum mache ich das?
Um Chi (auch Qi) zu generieren, zu erhöhen und zu bewahren. Unser Lehrer, OM C. Parkin, vermittelt hier im Kloster Gut Saunstorf seinen Schülern die Chi Praxis als ein wesentliches Element des Erweckungsweges oder der integralen Praxis.

Doch was ist Chi eigentlich?
Nach Auffassung der Kultur des Alten Chinas und des Daoismus durchdringt und begleitet das Qi als fließende Lebenskraft alles, was existiert und geschieht. Stillstand des Qi ist gleichbedeutend mit Tod. (Wikipedia)

Demnach entstand die Welt aus dem ursprünglichen, «reinen» Qi (Yuanqi), in dem Yin und Yang noch nicht gegensätzlich waren. Himmel und Erde bildeten sich, indem das helle Yangqi aufstieg und zum Himmel wurde. Was Yinqi erhielt, wurde dagegen dunkel und schwer – und wurde Erde. So entstand die Polarität, die unsere Welt, unseren Körper und unser Leben prägen. (TCMsuisse)

Wozu also dient die Chi-Praxis?
Zum einen dient sie dazu, Blockaden zu lösen, die den freien Fluss des Chi behindern. Hier sind es vor allem die Gelenke, in denen sich das Chi staut. Durch Dehnung und Bewegungsformen kann das Chi wieder in Fluss gebracht werden.

Zum anderen trägt sie dazu bei den Chi-Level des Körper- und Energiesystems zu erhöhen und zu bewahren. Die TCM, die Traditionelle Chinesische Medizin, sieht eine Erkrankung immer als eine Störung und Schwäche des Chis, bzw. als ein Ungleichgewicht von Yin-Chi der Erde und Yang-Chi des Himmels an. OM betont immer wieder, dass das Chi der Erde und das Chi des Himmels keine Metaphern sind, sondern als absolut real zu betrachten sind.

So gibt es Formen, die das Chi von unten nähren und solche, die das Chi von oben nähren. Ein wesentlicher Ort zur Chi-Praxis ist das Hara, auch unteres Dantian genannt, welches sich unter dem Nabel befindet. “Das Hara ist wie das Fundament der Kraft. Ist das Hara schwach, wird der gesamte Chi Fluss schwach sein.” (OM C. Parkin)

OM weist auch immer wieder darauf hin, dass ein Haus einen Keller haben muss, also ein gutes Fundament, welches hier dem Hara entspricht. “Auf jeden Fall ist das Hara jener Kraftort, wo das Chi verwurzelt ist und sich sammelt um aufzusteigen.” (OM C. Parkin)

Ich stehe. Ich nehme den Grundtonus des Stehens, die vertikale Achse wahr – gleichzeitig ein Loslassen, das sich von den Schultern bis zu den Füssen durchzieht. Ein feines Vibrieren im ganzen Körper, manchmal auch heftiger.

“Entspannung ist ein Yin-Aspekt. Anspannung ist ein Yang-Aspekt. Wenn du Interesse hast hohes Chi zu entwickeln, dann brauchst du Entspannung in Anspannung, Anspannung in Entspannung.” (OM C. Parkin) So zeigt es auch das Yin/Yang-Symbol, in dem das Weiße im Schwarzen und das Schwarze im Weißen enthalten ist.

Ein weiterer, wesentlicher Aspekt ist der Atem, über den vereinfacht gesagt, reines Chi eingeatmet wird und unreines Chi durch das Ausatmen das Körpersystem verlässt. In China entdeckte man bei Ausgrabungen einen Jadestab mit eingeritzten Schriftzeichen, datiert auf ca. 380 v.Chr., welches das älteste bekannte Dokument zu Chi und Qi Gong ist. Hier wird der große oder kosmische Kreislauf des Atems beschrieben, der in direkter Verbindung mit dem Chi steht.

“Beim Atmen verfahre man also:
Man hält den Atem an und er sei gesammelt.
Ist er gesammelt, so dehne er sich aus.
Dehnt er sich aus, so gehe er hinab.
Geht er hinab, so sei er ruhig.
Ist er ruhig, so sei er gefestigt.
Ist er gefestigt, so keime er.
Keimt er, so wachse er.
Wächst er, so werde er (nach oben) zurückgezogen.
Wird er zurückgezogen, so erreiche er den Scheitel.
Im Scheitelpunkt stoße er oben an.
Im Tiefpunkt stoße er unten an.
Wer diesem folgt wird leben.
Wer diesem entgegenhandelt, wird sterben.”
(Taichi – Chinas lebendige Weisheit, Frieder Anders)

Was ist der Wert der Chi-Praxis auf meinem inneren Weg? Sie ist wie ein Quell der Frische und der Kraft. Die Wahrnehmung reift mit den Jahren der Praxis von dem Grobstofflichen des Körpers zu feineren Ebenen, ja von außen nach innen. Die innere Kampfkunst lehrt mich die Unschärfe von Yin und Yang in meinem Leben und Geist zu erkennen und mich den reinen Kräften anzunähern. Ich freue mich gerade über das Dranbleiben und möchte OM danken, dass diese Praxis hier im Kloster und auf dem integralen Weg ihren Platz hat.

Zum Abschluss ein Zitat aus der Bibel, welches mich seit vielen Jahren begleitet:
„Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? So jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, der seid ihr.“ (Korinther 3,16-1)


Weiterführende Empfehlung:

Die Bedeutung der Chi-Praxis auf dem inneren Weg
Meditation & Innere Wissenschaft
12. Mai 2022 . 19:30 Uhr – online (live auf youtube)
Mehr Informationen


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